Was ist die Grammatikwerkstatt?

Die Grammatikwerkstatt stellt einen völlig neuen Ansatz zur Einübung grammatischer Kenntnisse dar. Statt wie in klassischen Ansätzen syntaktische Kategorien wie Subjekt, Prädikat oder Adverbial an vorgegebenen Übungssätzen zu kennzeichnen, werden in der Grammatikwerkstatt die grammatischen Funktionen durch zielgerichtetes Nachbauen von Übungssätzen verdeutlicht. Diese Vorgehensweise hat mehrere lerntheoretische Vorteile:

  • Sie vermittelt grammatische Begrifflichkeiten handlungsorientiert,
  • sie macht die Bedeutung der grammatischer Funktionen unmittelbar nachvollziehbar,
  • sie verdeutlicht am konkreten Beispiel, welche Auswirkungen die Verwendung einer bestimmten grammatischen Funktion hat,
  • sie ermöglicht unterschiedlichste Komplexitätsgrade und last but not least:
  • sie macht Spaß!

 

Darüber hinaus bringt die Grammatikwerkstatt all diejenigen Vorteile mit sich, die auch für ihre Mutterseite Orthografietrainer.net gelten, insbesondere:

  • unmittelbare Leistungsrückmeldung für Schüler
  • vollständiger Wegfall des Korrekturaufwands für Fachlehrer
  • schrittweise Steigerung von Schwierigkeitsgraden je nach erreichter Fähigkeit
  • schneller Überblick über bestehende Kompetenzen, individuelle Leistungssteigerungen und vorhandene Wissenslücken

 

Wie verwende ich die Grammatikwerkstatt?

Wenn Sie als Lehrer mit Ihren Schülern in der Grammatikwerkstatt arbeiten wollen,...

...benötigen Sie einen Lehreraccount auf www.orthografietrainer.net. Wie alle Angebote von Grammatikwerkstatt und Orthografietrainer ist dieser vollständig kostenlos und für jedermann frei zugänglich. Sie melden zunächst sich, danach Ihre Schüler an, vergeben Übungsaufgaben und bekommen für jeden Ihrer Schüler individuelle Login-Daten. Mit diesen Daten können sich Ihre Schüler einloggen und werden automatisch zu ihren Übungsaufgaben geleitet. Sie erarbeiten den vorgegebenen Übungssatz. Sobald sie ihn vollständig richtig nachgebaut haben, wird die Übungsaufgabe als „erledigt“ in die Datenbank eingetragen. Leistungsstand und Leistungsentwicklung sind für Sie jederzeit nachvollziehbar.
Anmeldung und Übungsvergabe nehmen nur wenige Minuten in Anspruch. Das genaue Vorgehen können Siehier nachvollziehen.

 

Wenn Sie sich privat grammatisches Wissen erarbeiten wollen,...

...können Sie sich einerseits ohne persönliches Login nach Lust und Laune Übungen auswählen und erledigen. Übersichtlicher und mit vollem Funktionsumfang trainieren Sie über einen vollständig kostenlosen Gast-Account auf unserer Mutterseite Orthografietrainer.net. Auch hier geht der Anmeldevorgang sehr schnell. Das genaue Vorgehen erfahren Sie hier.

 

 

Grammatikwerkstatt – Didaktische Gesichtspunkte

Satzanalyse als Knobelspiel – geht das?

Einführungen in der Grundschule, Wiederholungen in der Sekundarstufe, Vertiefungen in den Fremdsprachen – warum bleiben grammatische Funktionen für viele Schüler dennoch immer wieder ein Problemfeld, statt eine effiziente Sprachbeschreibung zu ermöglichen? Und das, obwohl Schüler in den allermeisten Fällen intuitiv sehr wohl in der Lage sind, grammatisch korrekte Sätze zu bilden und grammatische Urteile zu fällen.
Unsere Antwort auf dieses Problem ist: Zwischen der grammatischen Intuition und dem expliziten grammatischen Wissen klafft eine Verknüpfungslücke, die es zu schließen gilt. Hier kann die Grammatikwerkstatt weiterhelfen, denn sie ermöglicht es, die Entwicklung eines Satzes Schritt für Schritt zu beobachten. Dabei dürfen auch Fehler auftreten, denn auch sie zeigen dem Trainierenden den Unterschied zwischen der erstrebten und der tatsächlichen Veränderung am Ausgangsatz. Außerdem lassen sich mithilfe der Grammatikwerkstatt die hierarchische Struktur und der rekursive Aufbau unserer Grammatik besser verdeutlichen, da mit einer sehr überschaubaren Anzahl immer wieder auftretender Funktionen potenziell höchst komplexe Satzgebilde erzeugen lassen. Zusätzlich kann sich der Trainierende so viel Hilfe holen, wie er benötigt.

 

"Training plus Unterricht" oder "Training statt Unterricht"?

Die Grammatikwerkstatt ist nicht dazu geeignet, Grammatikunterricht zu ersetzen. Wer gänzlich ohne grammatische Vorkenntnisse versucht, eine unserer Übungen zu erledigen, braucht entweder ein ausgezeichnetes Kombinationsvermögen oder äußerst viel Geduld. Hingegen dient die Grammatikwerkstatt dazu, das im Unterricht erworbene grammatische Wissen durch Training einzuüben, zu festigen und zu erweitern. Der Aufbau lädt nicht nur zur Anwendung bekannter, sondern auch zur Erkundung unbekannter Funktionen ein, wodurch die Flexibilität, aber auch die Gleichartigkeit grundlegender grammatischer Funktionen begriffen werden kann. Die Grammatikwerkstatt versteht sich also nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle und handlungsorientierte Ergänzung des Grammatikunterrichts. Ganz nebenbei erspart sie dem Lehrer gleichzeitig die ermüdende Korrekturarbeit und ermöglicht ein unmittelbares Feedback an den Trainierenden.

 

Herumspielen erlaubt!

Die besten Lernergebnisse stellen sich ein, wenn man Spaß an dem hat, was man tut. Witzige, überraschende und verblüffende Eindrücke bahnen tiefere und dauerhaftere Erkenntnisse an als trockenes Lernmaterial. Deshalb ist in der Grammatikwerkstatt Ausprobieren und Experimentieren ebenso erwünscht wie die gezielte Konstruktion witziger, grotesker oder gar unsinniger Sätze. Unser Ziel ist erreicht, wenn Trainierende selbst Lust haben, einen neuen Satz zu entwickeln, denn jede Anwendung grammatischer Funktionen vertieft ihr Verständnis.

 

Die lateinische Grammatik als Grundlage

Die Grammatikwerkstatt basiert auf einem syntaktischen Modell, das vorrangig an der klassischen lateinischen Grammatik und deren Begrifflichkeit orientiert ist und nur an wenigen Stellen Anleihen bei moderneren Grammatikmodellen macht. Gegen diese Entscheidung können aus zwei unterschiedlichen Gründen Einwände erhoben werden. Einerseits könnte die lateinische Grammatik angesichts der großen Anzahl vielversprechender moderner Grammatikmodelle als überholt angesehen werden. Andererseits mag der Vorwurf aufkommen, die große Anzahl lateinischer Fachtermini könne Schüler überfordern. Wir halten beide Einwände für unberechtigt.
Kein Grammatikmodell der modernen Sprachwissenschaft konnte bisher den Verbreitungs- und Akzeptanzgrad und die übergreifene Geschlossenheit des klassischen Modells erreichen. Das gilt auch und insbesondere für die generative Grammatik. Zudem ist es für das Verständnis moderner Grammatikmodelle in den allermeisten Fällen unerlässlich, den klassischen grammatischen Hintergrund mitzubringen. Wer die Vorteile eines modernen grammatischen Ansatzes ermessen können möchte, muss zunächst die Probleme des klassischen kennen.

Gegen die Verwendung vereinfachter eingedeutschter grammatischer Begrifflichkeit spricht, dass diese einer lerntheoretischen Fehlinterpretation entspringt. Schwierig an grammatischer Begrifflichkeit ist nicht das Wort, sondern seine Bedeutung. Die eigentlichen Probleme von Schülern liegen nicht darin, das Wort „Substantiv“ zu lernen, sondern zu begreifen, was für ein Konzept sich mit diesem Wort verbindet. Gegen diese Schwierigkeit ist der Erwerb eines fremdartig anmutenden Wortes im wahrsten Sinne ein Kinderspiel. Kinder sind in der Lage, sich die sich Namen duzender Comicfiguren, Schauspielstars oder Videospielhelden zu merken. Einige lateinische Bezeichnungen dürften dagegen kein nennenswertes Problem darstellen.